Ein Blick zurück ins Mittelalter
Angefangen hat alles mit einer Urkunde. Am 3. Mai 1019 schenkte Heribert, Erzbischof von Köln, den Herrenhof »Walda« und die dazugehörige Kirche »in dem Dorfe Wald« der von ihm gegründeten Abtei Deutz, urkundlich bestätigt durch Papst Eugen III. im Jahre 1147. Die Abtei übernahm den rechtsrheinischen Besitz des Erzbistums Köln. Andere Quellen nennen als Schenkungsdatum das Jahr 1018 bzw. 1020 – und schon ist zu ersehen, wie schwierig die Walder Historie ist, denn es gibt aus diesem Zeitraum nur wenig Quellen.
Und wenn es sie gibt, sind sie zweifelhaft. Denn bei den genannten Urkunden handelt es sich wohl um Fälschungen; trotzdem konnte ihnen der Solinger Chronist Heinz Rosenthal ein Gran Wahrheit zuerkennen. »Im allgemeinen darf man Aufzählungen von Besitz für zutreffend halten«, schreibt er 1975 in seiner Chronik Solingen – Geschichte einer Stadt. Und in der Tat: Eine von Papst Viktor IV. am 11. Mai 1161 ausgestellte Urkunde, die die Abtei Deutz im Besitz des Walder Kirchenzehnten ausweist, gilt als echt.
Die Geschichte der Walder Kirche beginnt aber wahrscheinlich bereits weit früher. Die ersten Kirchen in der Umgebung, z.B. in Gruiten, Mettmann oder Wülfrath, wurden von Suitbertus (637- 713) gestiftet, dem Gründer und ersten Abt des Klosters Kaiserswerth. Karl Herbst aus Solingen-Wald vermutet in den Bergischen Heimatblättern 7/1934, dass die Erbauung der Urkirche »in die Zeit Karls des Großen (768–814) oder seines Sohnes Ludwigs des Frommen (814–840) zu legen« sei. Das Gebiet vom Rhein bis Elberfeld und Angermund sei dem Erzbistum Köln während der Regierungszeit Kaiser Ottos I. (936–973) zugeschlagen worden; an der Spitze des Bistums stand seit 953 Brun(o) von Sachsen, der jüngere Bruder des Kaisers. Einer dessen Nachfolger war Heribert, der das Amt des Kölner Erzbischofs von 999–1021 ausübte. Im Jahr 1003 gründete er die Benediktinerabtei Deutz, die später Nutznießer des Walder Kirchenzehnten wurde. [...]
Die Äbtissin und die Reformation
Die Abtei Deutz war seit der Schenkung durch Erzbischof Heribert im Besitz des Walder Kirchenzehnten. Allgemein galt, dass mit Einnahmen aus dem Zehnt – einer frühen Kirchensteuer gleich – der Pfarrer, die Armenpflege und das Kirchengebäude finanziert werden sollten; tatsächlich aber wurde er oft zum Vermögensobjekt, das verschenkt, verkauft, verpfändet oder geteilt wurde, je nachdem, welchen Erfolg sich der jeweilige Besitzer davon versprach. Auf diese Weise gerieten viele Kirchenzehnte in den Besitz von Adligen, die daraus ihren Reichtum mehrten, sich aber um den eigentlichen Zweck nicht kümmerten.
Dem Walder Kirchenzehnten blieb ein solches Schicksal erspart, allerdings musste der Abt von Deutz ab etwa 1208/1209 seine Einnahmen mit dem Kloster Gräfrath teilen. In der Kapelle des adligen Hofes Greverode (Gräfrath) ereignete sich 1185 ein Marienwunder. Hof und Kapelle gehörten damals zum Besitz der Abtei Vilich, deren Äbtissin Elisabeth 1187 das Kloster gründete. Der zum Hof gehörige Ort war Teil des Kirchspiels Wald; das Kloster jedoch wurde nach seiner Gründung entpfarrt und damit von der Walder Pfarrkirche unabhängig.
Heinz Rosenthal skizzierte die Finessen der Zeit in seinem Buch Em Wauler Dorp. Um den Wechsel vom 12. zum 13. Jahrhundert herum war die politische Lage am Rhein mehr als verworren. Staufer und Welfen befehdeten sich, Papst Innozenz III. gar sprach den Bann über die Kölner Kirchenprovinz aus. 1205 wurde Bruno IV. nach der Absetzung seines Vorgängers zum Erzbischof von Köln gewählt. Viele Domherren, unter ihnen der Domprobst Engelbert I. von Köln, verließen daraufhin unter Protest die Stadt. Engelbert wurde später als Graf Engelbert II. von Berg bekannt und mit einem Reiterstandbild auf Schloss Burg geehrt. [...]
Der Preußenkönig und das liebe Geld
Von der Kollekte des Jahres 1780, als die Pfarrer Wald und Wever 9000 Reichstaler in der Gemeinde einsammeln konnten, war ein Teil in die notwendigen Reparaturen der Kirche geflossen. Da die Abtei Gräfrath ihren Zahlungsverpflichtungen immer noch nicht nachgekommen war, musste die Gemeinde die Kosten vorlegen. Auch der Bau der Tente war nicht vorauszusehen gewesen und hatte ein weiteres Loch in die Kasse gerissen. So wurde eine weitere Kollekte beantragt und positiv beschieden. 1805 wiederholen die Pfarrer Peter David Batzenschläger und Jakob Georg Engels die Tour durch die Gemeinde – mit ähnlichem Erfolg. Auch der Besitzer des Schlosses Caspersbroich, Major Conrad von Romberg, beteiligt sich mit 100 Reichstalern an der Sammlung. Beflügelt von der Unterstützung der Gemeindeglieder soll nun der Neubau der Pfarrkirche in Angriff genommen werden.
Doch die Politik macht allen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Am 12. Juli 1806 gründen Kurmainz, Bayern, Württemberg, Baden, Hessen-Darmstadt, Nassau, Kleve-Berg und weitere Fürstentümer in Paris den Rheinbund, als dessen Protektor Napoleon fungiert. Mit dem Bund haben sich auch die Machtverhältnisse im Bergischen Land verändert. Im Protokoll der Consistoriumssitzung vom 2. April 1806 heißt es: »Dem Herzogthum Berg ist ein anderer Regent zugewiesen. Unterm 15. März d. J. wurde das Land von seinem zeitherigen Besitzer Sr. Majestät, dem König von Baiern an die Bestimmungen Sr. kaiserl. königl. Majestät Napoleon übergeben. Dieser verfügte darüber zu Gunsten seines Schwagers des Prinzen Joachim Murat, welcher als Herzog von Berg u. Cleve eingesetzt wurde.« Die Besetzung des Bergischen Landes endet erst mit den Befreiungskriegen. [...]
Weiterer Inhalt:
- Vagedes – Ein Architekt im Schatten Schinkels
- Ein Neubau am alten Platz
- Ein wahres Wahrzeichen
- Bis die Glocken schallen
- Kirchendiener Kuno Kind (von Hans Joachim Schneider)
- Wie et komen kan (von Karl Hubbert)
- Von Pedalen, Pfeifen und Prospekten
- Das Hängekreuz – Mehr als ein Symbol (von Pfr. Hartmut Schneider)
- Um den Turm wird’s weihnachtlich
- In stillem Gedenken
- Kitsch? – Nein, Kult!
- Rund um die Kirchturmspitze
