Leseprobe

Schallendes Gelächter erfüllte den Raum.

„Das gibt es nicht“, prustete Monika und wollte sich erneut ausschütten.

„Natürlich gibt es das“, beharrte ich. „Bloß, weil es ein Lied von Ulli Martin gibt, das ‚Monika’ heißt und Dir nicht gefällt, kann es doch ein Lied geben, das ‚Matthias’ heißt! Schließlich habe ich es selbst im Radio gehört!“

„Wann willst Du denn so ein Lied gehört haben?“ Die Ironie in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

„Okay, das ist bestimmt schon hundert Jahre her“, übertrieb ich. Ironie konnte ich auch: „Da hattet ihr in der Provinz noch gar keinen Strom und erst recht keine Radios. Deshalb kennst Du das ja auch nicht.“

Tatsächlich musste es irgendwann in den siebziger Jahren gewesen sein, also vor gerade mal etwas mehr als dreißig Jahren – aber schienen die Siebziger nicht so weit entfernt wie ein ganzes Jahrhundert? Es schüttelte mich bei dem Gedanken an die vergangene Zeit. Schuhe mit Plateausohlen, selbst für Herren. Hemden in grellen Farben mit großen Kragen. Hosen mit einem Schlag, unter dem die Schuhe verschwanden, und so lang, dass man mit ihnen die Straße fegen konnte. Pullover, die so dicht am Körper saßen, dass die Haut darunter eigentlich störte. Und noch so vieles andere mehr. Ich hatte fast jede Modesünde mitgemacht…

„Wobei…“ Ich musste grinsen. „Der Refrain ging wirklich so oder so ähnlich: ‚Matthias, Matthias, es ist schon hundert Jahre her’ …“

Monika war nicht überzeugt. Sie sah mich an, als hätte ich verbotene Substanzen zu mir genommen, oder zumindest ein paar Bier zuviel getrunken. Sie schnaufte einmal tief durch und rang sich zu einem normalen Tonfall.

[...]

© Matthias Gerschwitz 2008