Bullrich-Salz: Marke · Mythos · Magensäure

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Matthias Gerschwitz

BULLRICH-SALZ
Marke · Mythos · Magensäure

Auf den Spuren eines
der ältesten deutschen Markenartikel

228 Seiten mit 180 teils farbigen Abbildungen
BoD Norderstedt 2007; ISBN 978-3-8334-8222-9

Hier können Sie das Buch bestellen. (€ 19,90)

„Warte nicht, bis du ergrimmt bist –
nimm Bullrich-Salz, wenn du verstimmt bist.“

Was wie ein lustiger, etwas altbackener Vers anmutet, gehört in Wirklichkeit zu einer ganzen Serie von humorvollen Werbesprüchen, mit denen in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Präparat gegen Sodbrennen, Magendruck und Völlegefühl schlagartig bekannt gemacht wurde. Der Erfolg ging so weit, dass „Bullrich-Salz“ als  d e r Begriff für „Magenmittel“ Einzug in den deutschen Sprachgebrauch hielt.

Nicht umsonst verlangt James Stewart in „Rendevouz nach Ladenschluß“, dem sehenswerten Ernst Lubitsch-Film aus dem Jahre 1940, in der deutschen Synchronisation statt schnödem „sodium bicarbonate“ explizit diese Marke. Daran schon kann man ermessen, dass die Geschichte des Bullrich-Salz weit mehr ist als eine langweilige Firmenchronik.

Den Beweis dazu erbringt Matthias Gerschwitz in seinem Buch „BULLRICH-SALZ: Marke · Mythos · Magensäure“. Auf 228 Seiten folgt der Autor den Spuren eines der ältesten deutschen Markenartikel; Bullrich-Salz wurde 1827 vom Apotheker I. Klasse August Wilhelm Bullrich in Berlin erfunden. Auf dem Weg der Marke durch Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus bis zur heutigen bundesdeutschen Demokratie zeichnet er zugleich Firmen-, Familien- und Sozialgeschichte nach. Er führt den Leser durch Familienfehden (zwischen A. W. Bullrich auf der einen und seinem älteren Bruder Carl Wilhelm Bullrich auf der anderen Seite), Erbstreitigkeiten, Betrug, Mobbing, Beleidigung, Rechtsstreitigkeiten um Warenzeichen – und sogar einen Mord.

Selbst als Fallstudie für erfolgreiches Marketing kann die Bullrich-Historie heute noch dienen. Das Thema „Integrierte Unternehmenskommunikation“ lässt sich anschaulich am Beispiel der über 180jährigen Geschichte darstellen: Von 1863 bis 1920 währt der erbitterte Kampf der beiden Firmen, die sich nur graduell im Firmennamen unterschieden – A. W. Bullrich und C. W. Bullrich. Beide Unternehmen verkaufen ein Produkt, das Original Bullrich’s Reinigungs-Salz heißt. Da es noch keinen Markenschutz gibt (der wird erst 1894 gesetzlich verankert), ist das möglich. Nach 1895 werden die Streitigkeiten auf anderen Feldern ausgetragen.

Im Jahre 1924 erfolgt der Zusammenschluss zu “A.W. & C.W. Bullrich”: Nun beginnt der Ausbau zu einem (selbst nach heutigen Maßstäben) echten Markenartikel. Und 1982, unter einem neuen Eigentümer, erhält die Marke neben einem modernen Marketing auch eine ordentliche Vertriebsstruktur.

Die Erfolgsgeschichte beginnt im Berlin des Jahres 1827 und ist bis heute nicht zu Ende, wie neu hinzu gekommene Produkte unter der Marke “Bullrich’s” zeigen. Bullrich-Fans werden sich über die Zusammenstellung der bekanntesten Reklameverse freuen. Dazu kommen interessante Daten zur Familiengeschichte, Auszüge aus Verbraucherschreiben, Tipps und Tricks zur Anwendung, Kurioses aus 180 Jahren und spannende Geschichten rund um das traditionsreiche Produkt; illustriert wird das Buch durch 180, zum Teil farbige Abbildungen.

Und man stößt auf Namen, die in diesem Zusammenhang nicht unbedingt zu erwarten sind: Vicco von Bülow (Loriot), Theodor Fontane, Walter Benjamin, Henri Nannen, Martin Buchholz, Sönke Wortmann sowie Ottfried Fischer.

BULLRICH-SALZ – Marke · Mythos · Magensäure.